Welche Bücher bei mir unterm Baum landeten und warum

Plätzchen

Dieses Jahr hatte ich es mir fest vorgenommen: Nur Bücher verschenken. Das war gar nicht so einfach und hat mich viele Nerven gekostet. Aber dennoch glaube ich, für jeden das passende Buch gefunden zu haben. – Wer welchen Titel bekommt und warum, erfahrt ihr hier.


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In meiner Familie ist es eigentlich nicht sonderlich üblich, dass man sich etwas zu Weihnachten schenkt. Dennoch wollte ich dieses Jahr an einen Teil meiner Familie Bücher verschenken: an meinen Vater, dessen Freundin und meinen Bruder. Außerdem noch für meinen Freund und zwei Freundinnen. Mein Opa und meine Familie mütterlicherseits lesen leider nicht (mehr), weswegen ich zwei Tage lang Plätzchen gebacken habe, was meine Küche hergab: Spitzbuben, Mürbeteigplätzchen, Nougat-Herzen, Nougat-Bissen, Zimtsterne, Vanillekipferl.

plaetzchen

Das Buch für meinen Vater

Mein Vater liest gerne Klassiker und anspruchsvollere Literatur. Sie darf nicht primitiv sein, nicht trivial und vor allem nicht schlecht gemacht. Denn viel Zeit zum Lesen hat er nicht, und da braucht er Geschichten, die intelligent gemacht sind und eventuell sogar noch das Allgemeinwissen erweitern. Seit Monaten versuche ich, ihn zu überreden, sich Zwei Herren am Strand von Michael Köhlmeier zu kaufen. Erzählt wird die Geschichte einer Freundschaft: Zwischen Winston Churchill und Charlie Chaplin. Ein ungleiches Paar, wie es zunächst scheint, doch kämpfen sie auf ihre eigene Weise gegen das Böse: Der eine im Film, der andere real. 2014 stand der Titel auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und liegt seit damals auf meinem SuB. Das Exemplar behalte ich auch – für meinen Vater gab’s die Taschenbuchausgabe, die dieses Jahr erschienen ist.

Das Buch für den Bruder

Ein Buch für meinen Bruder – das hat mich echt vor eine Herausforderung gestellt! Und um ehrlich zu sein bin ich mir nicht sicher, ob ich mit meiner Wahl ins Schwarze getroffen habe. Denn auch dieses Buchgeschenk habe ich selbst nicht gelesen – jetzt steht’s allerdings auf meiner eigenen Wunschliste. Mein älterer Bruder liest vor allem High Fantasy. Und damit meine ich: Falls er mal liest. Das tut er nämlich so gut wie nie. Und wenn’s nicht richtig gut gemachtes Fantasy ist, dann geht’s ungefähr in die Richtung der Bücher, die mein Vater liest. In meiner frühen Jugend habe ich mir die Herr der Ringe-Bücher, den kleinen Hobbit und alles, was es dazu so an Hintergrundwissen in Buchform gibt (unter anderem den Duden für Elbisch) von ihm ausgeliehen. Er war es auch, der mich überredet hat, Game of Thrones zu lesen. Da er aber bereits alle Bände hat und auch sämtliche Werke, die die Geschichte von Westeros etc. erzählen, schied das als Geschenk aus.

Eine Idee kam mir, als ich meinen SuB für die Buchmesseblues-Challenge betrachteteKunkku von Tuomas Kyrö soll unterhaltsam sein, denn es erzählt die Geschichte des fiktiven Leben des letzten finnischen Königs und dichtet ganz nebenbei jenseits von politischer Korrektheit die Geschichte des 20. Jahrhunderts um. Ich war mir schon fast sicher – bis ich über ein paar nicht ganz so positive Rezensionen stolperte. Eine „postpubertäre Schelmengeschichte“, die auf Teufel komm raus politisch unkorrekt sein will? Klingt nicht unbedingt wie ein bereicherndes Geschenk. Aber: Ein wenig Recherche später und ich stieß über Kyrös Debüt: Bettler und Hase. Ein rumänischer Bettler zieht mit einem Hasen durch Finnland: Roadmovie, Sozialsatire und modernes Märchen, schreibt der Verlag. Und die Rezensenten schließen sich begeistert an. Da meine Familie aus Siebenbürgen kommt, passt der rumänische Bettler auch irgendwie ganz grob ins Bild – und Geschenk Nummer 2 war gekauft. (Übrigens erzählte er mir ein paar Tage später, dass er sich den englischen Schuber von Game of Thrones wünscht, da er die Bücher bisher nur auf Deutsch gelesen hat … aber naja, der nächste Geburtstag kommt bestimmt …)

Wörterrausch wünscht frohe Weihnachten

Das passende Buch für die Lebensgefährtin meines Vaters

Uff. Dieses Geschenk hätte ich beinahe vergessen! Dafür war es umso schneller gefunden. Die Freundin meines Vaters ist Ungarin, spricht allerdings fließend Englisch: Es musste also ein englischsprachiges Buch sein. Sie hat Geschichte studiert und liest gerne Literatur, die von Bedeutung ist – ähnlich, wie mein Vater. Und da ich selbst gerade ein passendes Buch vor der Nase habe, kaufte ich kurzerhand das gleiche Buch nochmal auf Englisch: Go set a Watchman von Harper Lee. Darin besucht Scout aus To Kill a Mockingbird (Wer die Nachtigall stört) ihren Vater Atticus Finch. Der antirassistische Held des Klassikers (den ich übrigens gerade begeistert lese) ist plötzlich Teil der Rassenaufstände – ein Thema, das aktueller (leider) nicht sein könnte.

Das Buch für die Freundinnen

Ich habe eine Freundin, die absolut verliebt ist in Großbritannien. Man kaufe Müll, klebe den Union Jack drauf und tadaaa: das perfekte Geschenk. Da ich sie aber wirklich lieb habe, habe ich natürlich keinen Müll gekauft. Britische Klassiker kennt sie alle, ein wenig kindlich darf’s aber gerne sein. Da ich aber Amerikanistik schwerpunktmäßig studiere statt Anglistik, lese ich auch eher Romane amerikanischer Autoren. Damit hätte ich mich allerdings auf ewig unbeliebt gemacht, denn etwas von den „Kolonialisten“, wie sie die Amis scherzhaft nennt, in ihrer „verkommenen Kolonialsprache“ kommt ihr nicht ins Haus. Mit einem Roman von Neil Gaiman habe ich mich ein wenig aus dem Fenster gelehnt, denn er ist zwar in Hampshire geboren worden, lebt aber mittlerweile in den USA. Dennoch war ich so begeistert von Der Ozean am Ende der Straße, dass ich bereit bin, dieses Risiko zu wagen. Außerdem habe ich in einer Rezension gelesen, dass der Sussexer Dialekt in der Originalfassung des Romans eine große Rolle spielt – da fühlte ich mich dann ein wenig sicherer. Ich hoffe, dass dieses Buch sie so begeistern wird wie mich, denn ist voller Poesie und kindlicher Magie, dabei aber spannend und ganz schön gruselig.

Die zweite Freundin war etwas schwieriger, denn ich hatte eigentlich keine Ahnung, was sie so liest. Aber wenn wir uns über Serien und Filme unterhalten, dann gilt die Prämisse: Je blutiger, brutaler und psychologisch abgefahrener, desto besser für sie. Leider sind Thriller überhaupt nicht mein Genre. Also ging ich zu der Buchhändlerin meines Vertrauens und gemeinsam überlegten wir. Ein Buch zu finden, das anspruchsvoll, gut (und intelligent) gemacht, vollkommen psycho und möglichst blutig ist, war das Gegenteil von einfach. Schließlich fiel meine Entscheidung auf Girl on the Train von Paula Hawkins. Zwar ist es nicht blutig, aber entspricht wohl den anderen Entscheidungskategorien und soll ziemlich spannend sein, auch wenn ich es noch nicht gelesen habe. In Bloggerkreisen wurde es zudem ziemlich gehyped und war anscheinend erfolgreich genug für eine Verfilmung. (Und ja, es steht auch auf meiner Wunschliste. Seufz. Die wird immer länger!) Also habe ich kurzerhand entschieden, dass es dieses Buch wird und sie dazu eine Flasche Ketchup Kunstblut in die Hand gedrückt bekommt.

Welches Buch schenkt man dem Freund?

Hier hätte ich mein Ich-verschenke-nur-Bücher-Gebot beinahe gebrochen. Aber dann erinnerte ich mich, dass mein Freund mir im Sommer von einem Kochbuch erzählte, das er sich irgendwann mal in der gedruckten Ausgabe kaufen wolle. Bisher hat er’s nur elektronisch – und seien wir mal ehrlich, das ist nicht das Gleiche. Vor allem nicht beim Kochen – da drucke ich mir regelmäßig Rezepte aus, damit ich sie greifbar in der Küche liegen habe. Es geht um Modernist Cuisine at Home von  Nathan Myhrvold und Maxime Bilet. Darin brechen sie die Anwendungen der Molekularküche soweit herunter, dass sie in einer normalen Küche Zuhause anwendbar sind. Kochen auf einem ganz neuen Level also. Da es im TASCHEN Verlag erschienen ist, ist’s natürlich auch fotografisch wirklich gut in Szene gesetzt. Da lohnt sich die Print-Ausgabe.

Was bleibt …

… ist Euch frohe Weihnachten zu wünschen. Mein Freund und ich haben Heiligabend einen Tag vorgezogen und bereits gestern bei Raclette Drei Haselnüsse für Aschenbrödel geguckt. Außerdem gab’s Bescherung: Ich habe gleich zwei Schreibmaschinen bekommen! Ich bin gestern ein wenig ausgeflippt vor Freude, denn ich möchte mir seit Jahren eine Schreibmaschine kaufen, aber irgendwie ist das so ein Projekt, das man dann doch nie in Angriff nimmt. Die eine ist von 1933/34 und die andere aus den 1960er Jahren – sie sind wunderschön, schreiben noch und es sind noch Farbbänder erhältlich (die ich auch dringend mal wechseln müsste, man erkennt leider kaum, was ich getippt habe). Ihr werdet jetzt also häufiger mal eine Schreibmaschine auf meinen Fotos sehen. Und ich muss mir unbedingt wieder ein Schreibprojekt zulegen und auf einer dieser Maschinen Geschichten schreiben. Vielleicht setze ich mich mit einer Schreibmaschine auch mal in die Uni, in den Zug oder ins Café – in Köln darf man sowas 😉

An dieser Stelle verabschiede ich mich für dieses Jahr. Ich wünsche euch schöne Feiertage, genießt die freie Zeit, lest einen Stapel an Büchern und kommt gut ins neue Jahr!

Und zuletzt: Welche Bücher habt ihr verschenkt oder geschenkt bekommen?

Wörterrausch wünscht frohe Weihnachten
Ich wünsche Euch frohe Feiertage, eine belesene – na gut, besinnliche Zeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Eure Kerstin

 

7 Kommentare

  1. Ich verschenke sehr selten Bücher, da ich ohnehin nur wenigen Leuten überhaupt noch etwas schenke und zum anderen, weil ich immer zu viel Angst habe, nicht den Geschmack zu treffen oder etwas auszusuchen, was die andere Person schon hat.
    Ich finde es super, wie viele Gedanken du dir darum gemacht hast und wie sehr du versucht hast, wirklich etwas passendes für jeden zu finden. Da waren ja auch wirklich sehr unterschiedliche Geschmäcker dabei und weil natürlich nicht alles den eigenen Vorlieben entspricht, ist es umso schwerer, da passende Empfehlungen liefern zu können. Ich hoffe sehr, dass deine Geschenke gut an(ge)kommen (sind) 🙂

    Ich wünsche dir schöne Weihnachtstage!

    1. Liebe Jacquy,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Die Geschenke kamen bisher tatsächlich ganz gut an, wobei noch nicht alle ihr Buch haben. 🙂
      Ich wünsche dir auch frohe Weihnachten! Genieß die Zeit, wie auch immer du sie verbringst 🙂
      Liebe Grüße
      Kerstin

  2. Ich habe dieses Jahr nur ein Buch (und einen Gutschein für ein Buch) verschenkt, die Kurzgeschichten zur Selection-Reihe 🙂

    Bekommen habe ich Quiverfull und Rapture Ready! über evangelikale Bewegungen in den USA.

    Frohe Weihnachten, nachträglich 😀

  3. Susanne sagt: Antworten

    Liebe Kerstin, mein Vater bekam „Durchbruch bei Stalingrad“ einen lange verschollenen Roman über, na ja eben über Stalingrad. Er ist großer Pazifist, aber eben auch historisch und literarisch interessiert, da hat es ihn gefreut! Mein Mann bekam „Hieronimus Bosch. Im Detail“, einen fetten Bildband zu dem großartigen Maler des MA, dessen Ausstellung wir im vergangegen Jahr in ’s Hertogenbisch, NL gesehen haben. Er sammelt Kunstbücher, hat sich sehr gefreut, aber ob er es richtig studieren wird… keine Ahnung.
    Mein bestes Buch war „UNorthodox“ von Deborah Feldmann! Was für eine tolle Lektüre, spannend ohne Ende und sprachlich sehr erbaulich. Ich fand es großarttig, diese Geschichte über eine junge Frau, die durch die Literatur mehr und mehr Mut und innere Freiheit gewinnt, um sich aus einer (jüdischen) Sekte zu lösen. Später Lesehöhepunkt in 2016! Und unbedingt zu empfehlen!
    Und welches Buch würdest du mir schenken? Das würde ich gerne wissen…:-)
    Herzlich, Susanne

    1. Liebe Susanne,
      das klingt, als hättest du mit deinen Weihnachtsgeschenken voll ins Schwarze getroffen! =)
      Die Beschreibung von „Unorthodox“ klingt interessant, auch wenn’s eigentlich so gar nicht das ist, was ich normalerweise lese. Aber wie heißt es so schön: Öfters mal den Horizont erweitern.
      Die Frage, was ich dir schenken würde, ist gemein. Denn ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so genau, was du so gerne an Fiktion liest. Deswegen habe ich mal ein wenig überlegt, was ich dir aus dem Bereich Nonfiction schenken würde, und da fiel mir ein Buch ein, von dem ich kürzlich erst erzählt bekam, dass es mir gefallen könnte. Seit ich für das Wuppertal Institut arbeite und täglich mit Nachhaltigkeitsfragen konfrontiert werde, hat sich nämlich auch mein Konsumverhalten (nachhaltig höhö) verändert, und da muss ich daran denken, wie du damals plastikfreie Wattestäbchen verschenkt hast (übrigens bin ich denen treu geblieben. Kannst die gute Tat auf deiner Liste also mit vollem Erfolg abhaken.) – deswegen lehne ich mich mal aus dem Fenster und würde dir „Fast nackt: Mein abenteuerlicher Versuch, ethisch korrekt zu leben“ von Leo Hickman empfehlen. Der Londoner Journalist versucht ein Jahr lang mit seiner Familie, ethisch korrekt und nachhaltig zu leben, und hat diese Erfahrungen wohl sowohl unterhaltsam als auch informativ zusammen gefasst. Noch habe ich es nicht gelesen, aber von dem, was mir erzählt wurde, klingt’s wie eine Buchempfehlung. Ich glaube übrigens nicht, dass sich Otto Normalverbraucher erlauben kann, seinen Alltag so umzukrempeln wie seine Familie – aber die eine oder andere Lektion lässt sich bestimmt auf unseren Alltag übertragen. – So, und nun: Wie sehr habe ich daneben gegriffen? 😉
      Liebe Grüße & komm gut ins neue Jahr!
      Kerstin

  4. Guten Abend Kerstin,

    eine belesene Auswahl. Ich habe auch ein paar Bücher verschenkt. Sie sind alle sehr gut angekommen. Auch schon bei den kleinsten Lesern (knapp ein Jahr alt 😉 )
    Ich selbst bin mit eine Buch unterm Baum auch relativ zufrieden. Eine Freundin hat mir den dritten Teil der Red Rising Trilogie geschenkt. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Das Highlight hatte aber mein Freund in petto: Ich bekomme zwei neue Regale 🙂

    Ganz liebe Grüße
    Chrissi

    1. Hallo Chrissi,
      ist immer toll, wenn die Buchgeschenke gut ankommen. Neue Buchregale stehen hier auch, die habe ich mir aber quasi selbst geschenkt zum Geburtstag: Ganze sieben Billys sind bei mir eingezogen, sodass ich jetzt eine Bücherwand habe. Ich bin total verliebt <3
      Liebe Grüße
      Kerstin

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