Neu im Regal: Oktober & November

Neu im Regal: Oktober & November

Irgendetwas habe ich da falsch gemacht. Der Sinn der Buchmesseblues-Challenge war doch, seinen SuB abzubauen – der immerhin bei mir schon größer ist als ich selbst. Dennoch sind seit der Frankfurter Buchmesse neun neue Bücher bei mir eingezogen. Ich gestehe: Ich habe gleich zwei Mal gegen das Buchkauf-Verbot verstoßen. Und diese Zählung ist auch nur akkurat, wenn man das Buchkauf-Verbot wörtlich nimmt.

Harper Lee: To Kill a Mockingbird & Gehe hin, stelle einen Wächter

Auf der Frankfurter Buchmesse habe ich bereits Harper Lees Gehe hin, stelle einen Wächter, erschienen bei Penguin, entdeckt und um ein Rezensionsexemplar gebeten. Wer die Nachtigall stört steht seit Jahren auf meiner Wunschliste, aber bisher bin ich irgendwie nie dazu gekommen, diesen Roman, der mittlerweile zu den Klassikern gehört und auf etlichen Kanon-Listen zu finden ist, zu lesen. Dabei ist die Handlung damals wie heute aktuell: Die Geschwister Scout und Jem wachsen in Alabama im Süden Amerikas auf. Es ist 1933: Rassismus ist Alltag. Nicht so jedoch für Scout und Jem, denn ihr Vater Atticus Finch lehrt sie Verständnis und Toleranz. Als Anwalt verteidigt er wegen der Vergewaltigung einer Weißen den Schwarzen Tom Robinson. Die Ablehnung aus dem Umfeld bekommen nicht nur er, sondern natürlich auch seine beiden Kinder zu spüren.

Das Manuskript von Gehe hin, stelle einen Wächter wurde 2014 entdeckt und greift die Geschichte von Jean Louise (Scout) und Atticus Finch auf. Nach zwanzig Jahren kehrt Scout, wie jeden Sommer, zurück in ihre Heimatstadt. Erneut sieht sie sich mit gesellschaftspolitischen Problemen konfrontiert: Erneut breiten sich Rassenunruhen aus. Um Gehe hin, stelle einen Wächter ausreichend fundiert zu verstehen – und natürlich auch rezensieren – zu können, habe ich mir To Kill a Mockingbird (im Original) in der Buchhandlung meines Vertrauens gekauft. Mit einem Streich kann ich so gleich zwei Lücken schließen: Harper Lees Erstling von meiner Liste streichen und das neu erschienene Werk lesen. Aktuell ist die Rassenthematik leider noch immer – und erst recht seit sich mit der Wahl von Donald Trump gezeigt hat, wie groß die Angst vor dem anderen auch heute noch (nicht nur in Amerika) ist. Und für mich als Amerikanistik-Studentin ist es natürlich doppelt spannend, in beiden Romanen ein Porträt Amerikas (in den 1930ern und 1950ern) zu finden. – Ich bin gespannt!

Kirsten Fuchs: Mädchenmeute

Ein weiteres Buch, welches ich auf der Frankfurter Buchmesse entdeckt habe, ist Mädchenmeute von Kirsten Fuchs. Das Buch ist zwar bereits im Januar 2015 erschienen, aber irgendwie an mir vorbei gegangen. Das änderte sich, als es den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 gewann. Die Jury begründete dies so: „Ein Abenteuerbuch mit weiblichen Protagonistinnen, das hat in der Jugendliteratur Seltenheitswert. Hier erleben wir sieben Mädchen, die sich bei einem Sommercamp im Wald begegnen. Doch das Camp erweist sich als dubiose Angelegenheit und die Gruppe beschließt, auf eigene Faust Abenteuerurlaub zu machen. […] Mädchenmeute ist ein komplexes literarisches Werk mit großer erzählerischer Kraft in seiner Sprache und seinem Bildreichtum. Die Robinsonade in einer bisher unerzählten Landschaft lädt ein zum Nachdenken über viele Themen: über Freundschaft, über die eigene Rolle innerhalb einer sozialen Gruppe, darüber, was ­Freiheit ist.“ Bisher hatte ich immer so meine Schwierigkeiten mit den Juryentscheidungen, doch Mädchenmeute klingt tatsächlich ziemlich interessant. (Übrigens bin ich froh, dass es nicht Eleanor & Park geworden ist – auch wenn dieses Buch im Feuilleton und auf diversen Blogs, z. B. hier bei buzzaldrins, stark gelobt wurde, konnte es mich so gar nicht überzeugen.) Umso mehr habe ich mich gefreut, als der Verlag rowohlt mir Mädchenmeute zugeschickt hat!

Neu im Regal: Oktober & November

Paula Fürstenberg: Familie der geflügelten Tiger

Die Mitbringsel der Frankfurter Buchmesse wollen gar nicht aufhören. Auf dem Blogger-Event von KiWi wurden gleich zwei Bücher aus dem aktuellen Programm vorgestellt: Nele Pollatscheks Das Unglück anderer Leute und Paula Fürstenbergs Familie der geflügelten Tiger. Paula Fürstenberg traf ich wenige Wochen später wieder im Debütantensalon im Literaturhaus Köln, über den ich hier berichtete. Auf die Suche nach den eigenen Wurzeln, nach der Karte der eigenen Familiengeschichte, die in die DDR führt, freue ich mich besonders.

Nele Pollatschek: Das Unglück anderer Leute

Über Das Unglück anderer Leute habe ich hingegen noch gar nicht geschrieben. Nele Pollatschek erzählt vom alltäglichen Wahnsinn einer absolut nicht konservativen (Patchwork-)Familie. Die Mutter ist Punkerin mit einer ansehlichen Sexspielzeugsammlung, der Vater lebt nach seinem Coming Out mit seinem Partner zusammen, Protagonistin Thene verträgt ihre Familie eigentlich nur in geringen Dosen, doch zu ihrer Masterverleihung in Oxford reist die komplette Verwandtschaft an. Das Ergebnis: Eine (jüdische) Familienkomödie. Und das Porträt einer ganzen Generation, die zum Spießer wird, um gegen die Eltern zu rebellieren, wie Nele Pollatschek im Interview mit dem Deutschlandfunk erzählt. Doch beim Blogger-Treffen scheint durch, dass dieser Debütroman tiefsinniger ist als „nur“ eine Komödie und so liegt ein Exemplar jetzt hier und wartet darauf, von mir gelesen und besprochen zu werden.

Isabelle Lehn: Binde zwei Vögel zusammen

Über Binde zwei Vögel zusammen von Isabelle Lehn habe ich auch schon ausführlich in dem Beitrag über den Debütantensalon, wo sie zu Gast war, berichtet. Es bleibt nur zu sagen, dass ich es kaum abwarten kann, mit dem Lesen anzufangen!

Jonathan Safran Foer: Hier bin ich

In aller Munde ist der neue Roman von Jonathan Safran Foer. Als Literaturstudentin hab ich vor allem sein Werk Tree of Codes auf dem Schirm (leider aber noch nicht im Regal), Hier bin ich ist das erste Buch dieses Autors, das es zu mir geschafft hat – und zwar als Geburtstagsgeschenk, wenn auch bedauerlicherweise nicht im Original. Erzählt wird die Geschichte einer jüdischen Familie in der Krise: Die Eltern haben sich auseinander gelebt, doch eine Trennung ist aufgrund der drei Söhne schwer umsetzbar und dennoch ständiges Gesprächsthema. Die Frage nach der Heimat rückt in das Bewusstsein der Protagonisten, als ein Erdbeben im Nahen Osten zur Invasion Israels führt. – So ganz kann ich das Thema dieses Romans noch nicht greifen, aber ich habe bereits einige Rezensionen auf Blogs und im Feuilleton gelesen, die mich definitiv voller Vorfreude und Neugierde zurück gelassen haben.

Tilman Rammstedt: Morgen mehr

Es gibt Tage, an denen bereue ich enorm, dass ich die vergangenen Monate so wenig Zeit hatte, Verlagsprogramme zu durchforsten und spannende Aktionen in der Buchbranche zu entdecken. Der 15.11.16 war so ein Tag, denn da ging’s ins Literaturhaus Köln zur Lesung von Tilman Rammstedt. Er stellte gemeinsam mit seinem Verleger Jo Lendle seinen Roman Morgen mehr vor. Und verdammt, da hab ich was Spannendes verpasst! Morgen mehr ist nämlich nicht nur Titel des Romans, sondern auch Programm: Der Autor stellte über zwölf Wochen – vom 11. Januar bis 9. April – jeden Tag einen Teil der Geschichte online seinen Lesern zur Verfügung. Die konnten so quasi live erleben, wie ein Buch entsteht – und Rammstedt entdeckte die Tücke des Cliffhangers für sich. Denn wirklich Gedanken machte er sich über so manch einen Kniff in der Handlung nicht, wie er im Literaturhaus erzählte – überraschenderweise liefen am Ende dennoch alle Fäden zusammen zu einer runden Handlung. Ich kann jetzt „leider“ nur noch das fertige Buch bewundern, das noch einmal komplett überarbeitet wurde. Doch auch diese „klassische Version“ einer Erzählung hat es noch in sich, denn Rammstedt bietet eine spannende und unheimlich witzig geschriebene Geschichte aus einer ungewöhnlichen Erzählperspektive. Denn: Der Erzähler ist noch nicht einmal geboren. Genau genommen nicht einmal gezeugt, und seine Mutter ist kurz davor, sich einem fremden Mann hinzugeben, während sein Vater mit einbetonierten Füßen im Main steht. Auch wenn das spannende Projekt „Entstehung eines Romans“ an mir vorbei ging, das Endprodukt konnte ich nicht auch noch verpassen, und so hab ich Morgen mehr nach der Lesung im Literaturhaus einfach kaufen müssen.

Karla Paul: Gilmore Girls. 100 Seiten

Am 25. November lief die achte Staffel der Gilmore Girls bei Netflix an. Anlass genug für Karla Paul, auf 100 Seiten im Reclam-Verlag ein Buch für Liebhaber der Serie herauszubringen. Die Rezension dazu findet ihr übrigens bereits hier.

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So weit, so gut. Das waren also die Bücher, die bei mir eingezogen sind. Doch wer auf das Beitragsbild schaut, der sieht noch etwas neues: Ich habe mir eine Spiegelreflexkamera gekauft, nämlich die Canon EOS 1300D, das typische Einsteigermodell. Nachdem ich mich mit der Anschaffung einer Spiegelreflex erst auf 2017 vertröstet hatte, kam plötzlich doch ein gutes Angebot daher und ich habe kurz gerechnet und dann zugeschlagen. Ihr könnt euch also in Zukunft auch auf bessere Bilder hier auf Wörterrausch freuen (und auf Instagram, das schicke Teil kann Bilder nämlich direkt ans Handy senden)! Und auf die Rezension eines Kamerabuches könnt ihr euch auch freuen, denn Fotos machen will ja auch gelernt sein. Da habe ich auf jeden Fall noch eine Menge Lernbedarf, worauf ich mich freue.

Wer übrigens meinen Instagram-Account verfolgt hat, der konnte (in einer Instagram-Story) sehen, wie mein Arbeitszimmer Gestalt annimmt – ganze sieben Bücherregale sind hier nämlich eingezogen. Zwar bin ich noch nicht dazu gekommen, die Kisten voller Bücher aus dem Keller zu holen und einzuräumen, aber durch meine Neuzugänge (und der Dezember ist ja auch schon fast zwei Wochen alt, in denen man, also ich, Bücher kaufen konnte …) sieht’s immerhin nicht ganz leer aus.

Welche Bücher habt ihr vor Kurzem erst ergattert?

Schreib mir, was Du denkst.