Meine Highlights im Frühjahrsprogramm des Literaturhaus Köln

Frühjahrsprogramm Literaturhaus Köln

Kurz vor Weihnachten wurde es per Mail verschickt, seit letzter Woche ist es auch gedruckt erhältlich: Das Frühjahrsprogramm des Literaturhaus Köln! Ich habe einen Blick hinein geworfen und verrate euch hier, auf welche Veranstaltungen ich mich freue (und das sind dieses Frühjahr eine Menge).

* * *

17.1. Surreal – Samantha Schweblin

Das Literaturhauss schreibt: Wenn Samanta Schweblin erzählt, sind Leser*innen und Zuhörer*innen in ihrem Bann: In ihren Erzählungen Die Wahrheit über die Zukunft oder in ihrem hochgelobten Roman Gift (beide Suhrkamp) beschreibt sie verstörende, surreale Momente. Wo die Grenzen zwischen Realem und Phantastischem verschwinden, taucht man in eine aberwitzige Welt – die zugleich die unsere spiegelt wie ein raffinierter Traum. Ihrer Heimat Argentinien gilt die in Berlin lebende Autorin längst als interessanteste Stimme ihrer Generation: Sie wird mit Julio Cortázar verglichen, hierzulande auch mit Größen aus anderen Künsten: »Szenisch düster wie bei David Lynch: In Samanta Schweblins Argentinien wird das Magische politisch« (DIE WELT). Den deutschen Text liest Rebecca Madita Hundt.

Warum ich mich darauf freue: Ich gestehe, der Name Samanta Schweblin ist mir noch nicht begegnet. Aber wenn Superlative wie „interessanteste Stimme“ einer ganzen Generation locken, dann bin ich neugierig und möchte doch wissen, womit ich’s da zu tun habe. Zudem kann die Vermischung von Realem und Phantastischem viel heißen – aber was in diesem konkreten Fall? Perfekte Gelegenheit also, diese Stimme mal live zu erleben und selbst herauszufinden, was sich dahinter verbirgt. Außerdem: Zwei literatische Werke quasi zum Preis von einem? Ich bin sowas von dabei!

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19.1. Kölnpremiere – Ulrike Anna Bleier

Das Literaturhaus schreibt: Fünf lange Jahre hat Luise nichts von ihrem Zwillingsbruder Ludwig gehört. Nun sitzt er am Wohnzimmertisch der Eltern. Und spricht nur noch indonesisch. Etwas muss passiert sein – und Luise ahnt, dass der Grund für Ludwigs mysteriöses Verhalten tief in der Vergangenheit vergraben sein muss. Die Kölner Autorin Ulrike Anna Bleier folgt in ihrem Episodenroman der Protagonistin in eine sprunghafte Gedankenwelt. Schwimmerbecken (edition lichtung) wechselt Szenen aus dem Jetzt mit Kindheitserinnerungen in einer Geschichte »voller Bitterstoffe, die sich am Ende zu einem Aroma verdichten, das den Roman unverwechselbar macht« (Passauer Neue Presse). Dabei bringt Bleier das Kunststück fertig, eine immer eindringlichere Spurensuche zu verdichten – obwohl die Episoden zugleich in beliebiger Reihenfolge gelesen werden können. Über Ordnung und Unordnung und das Anarchisch-Bayerische in ihren Texten spricht sie mit Verlegerin Kristina Pöschl. Musikalisch befunkelt werden beide dabei vom Ensemble Interstellar 2 2 7 (Barbara Schachtner und Dorrit Bauerecker).

Warum ich mich darauf freue: Scroll wieder ein Stück nach oben und lies die Beschreibung noch mal. Noch Fragen?! Da ist eine spannende Handlung, ein Geheimnis – und die Aufmache des Romans weckt die Begeisterung der Literaturwissenschaftlerin in mir. Ein Episodenroman, den man in beliebiger Reihenfolge lesen kann? Hm, wie soll ich mir das vorstellen? Und was zum Henker ist „anarchisch-bayerisch“? Das will ich herausfinden bei dieser Veranstaltung!

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27.1. zwischen/miete – Lena Elfrath

Das Literaturhaus schreibt: Fiona, das Partygirl. Achim, der Karrierist. Maik, der Obdachlose. Und Aline, von Beruf Gattin: Vier Großstadtmenschen lässt Lena Elfrath nach Sinn und Freiheit suchen. Denn Die Liebe ist ein Schmetterling (weissbooks.w) – und der will erst einmal gefangen werden, in diesem spektakulären Debüt. Zur Recherche tauchte die Autorin in allerlei Milieus, spielte Bonzin und bettelte gar. Es hat sich gelohnt: Ein Buch, das roh und rasant vom urbanen Leben erzählt, von Wodka, Rosen und Steak, »das duftet und riecht! (…) Ein Bilder- und Sprachrausch.« (1LIVE)
zwischen/miete, ursprünglich aus Freiburg, ist ein neues Format in Köln. Dabei mieten sich professionelle Nachwuchsautor*innen für einen Abend in WGs ein. Zwischen Putzplan und Altglaslager entsteht ein Ort für junge Literatur. Dazu gibt’s Baguette und Bier.

Warum ich mich darauf freue: Zuerst einmal klingt das Buch spannend. Dann bin ich eigentlich immer schnell interessiert, wenn’s um Debüts geht – schließlich sind das neue Stimmen, oft junge Autorinnen und Autoren, und ist es nicht toll, sagen zu können „Ja, also, den Autor kenne ich schon seit seinem Debüt!“ Da hat man direkt die Chance, eine literarische Weiterentwicklung hautnah mitzuerleben. Und dann natürlich das Format der Veranstaltung. So neu ist die gar nicht, letztes Jahr lockte das Literaturhaus schon öfters zur zwischen/miete, aber leider hab ich’s terminlich nie geschafft. Jetzt endlich möchte ich mir das mal ansehen!

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30.1. Existentiell – Reinhard Kaiser-Mühlecker & Christoph Schröder

Das Literaturhaus schreibt: In Fremde Seele, dunkler Wald (S. Fischer Verlag) erzählt Reinhard Kaiser-Mühlecker die Geschichte zweier Brüder, die ihrer Welt zu entkommen versuchen. Alexander, der ältere, kehrt von einem Auslandseinsatz als Soldat zurück. Der jüngere Bruder Jakob führt den elterlichen Hof. Doch ist mehr Hölle als Idylle in der oberösterreichischen Heimat, und bald finden sich beide in einem Geflecht aus Gerede und religiösen Sehnsüchten, Verwandschaftsbanden und Mord verstrickt. Davon erzählt der Roman mit schier biblischer Wucht – die ihn auch auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises beförderte. Wie der Autor Risse im inneren und äußeren Gefüge nachzeichnet, »wie er aus der hilflosen Stummheit, die seine Protagonisten anfällt, Literatur macht, ist virtuos« urteilt Literaturkritiker Christoph Schröder, der den Abend moderiert.

Warum ich mich darauf freue: Bei Fremde Seele, dunkler Wald handelt es sich um einen Entwicklungsroman – mein Faible. Das allein überzeugt mich bei diesem Roman allerdings noch nicht, die biblischen Elemente und Auseinandersetzungen mit Religion finde ich schnell ermüdend in Literatur, wenn ein Buch damit beworben wird. Dennoch: Der Roman stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2016 und wurde im Zuge dessen natürlich rauf und runter besprochen. Ob er mir gefallen wird? Ich weiß es nicht. Aber auch dafür sind Lesungen da, um genau dies herauszufinden, mal reinzuschnuppern und am Ende des Abends ein Buch gekauft zu haben oder nicht.

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Frühjahrsprogramm Literaturhaus Köln

14.2. Debütantensalon – Michelle Steinbeck & Andreas Baum

Das Literaturhaus schreibt: Konträrer können Debüts kaum ausfallen – und zugleich kaum spannender: Während Michelle Steinbeck in ihrem Erstling eine fantastische Vatersuche anzettelt, wirft Andreas Baum ein gleichermaßen nostalgisches wie bissiges Schlaglicht auf die Wende. Wir waren die neue Zeit (Rowohlt) entführt in ein besetztes Haus im Berlin von 1990, das junge Freidenker gegen Nazis, Bullen und konkurrierende Linke verteidigen. Doch die Fassade bröckelt: Erzähler Sebastian Brandt merkt rasch, dass hinter hochgestochenen Politikanalysen niedere Triebe lauern. Und vor allem die Frage: Wer schnüffelt hier für den Verfassungsschutz?
Zieht Andreas Baum Brisanz aus präzisem Realismus, schöpft Michelle Steinbeck aus sprühender Groteske: Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch (Lenos) schickt Loribeth auf die Suche nach ihrem Erzeuger. Denn der muss den Koffer mit dem toten Kind erhalten, dann sind alle Probleme gelöst. Würde sich die Erzählerin nur nicht allenthalben in junge Wesen verlieben, die ihr Essbares anbieten. Entfesselte Bilder und scharfkantige Sprache haben der Autorin haufenweise Lob, einen Platz auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis und einen Wutausbruch von Elke Heidenreich beschert.
Literaturhauskommunikator Tilman Strasser spricht mit Michelle Steinbeck und Andreas Baum über Sur- und Realismus und alles dazwischen.

Warum ich mich darauf freue: Über das neue alte Format Debütantensalon und die erste Veranstaltung habe ich hier berichtet – damals ging ich mit zwei neuen Büchern heim. Da kann ich mir die zweite Ausgabe einfach nicht entgehen lassen. Erst recht nicht, wenn eines der Bücher einen so genialen Titel trägt wie Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch, mit einem toten Kind im Koffer und einem Wutausbruch von Elke Heidenreich lockt. Ich meine, ich bitte euch – wie spannend klingt das denn? Und da wir im Geschichtsunterricht nie bis weiter als das Ende des Zweiten Weltkriegs kamen und meine geschichtliche Bildung dort quasi aufhört, freue ich mich immer über interessante Geschichten aus der Zeit danach. Diesmal sogar eine nach dem Mauerfall. Und nicht zuletzt: Veranstaltungen, die Tilman Strasser moderiert, sind eigentlich immer einen Besuch wert! Also, wirklich, schreibt euch den Termin in den Kalender und kommt mit!

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20.2. Zum 100. – Über Carson McCullers

Das Literaturhaus schreibt: Der Tod bleibt sich immer gleich. Zum 100. Geburtstag von Carson McCullers

Als 1940 Das Herz ist ein einsamer Jäger erschien, war sie 23 Jahre alt – und so­fort ein Star auf der literarischen Bühne Amerikas. Dabei musste sie dieses und weitere Werke einem sich verweigernden Körper abtrotzen: Carson McCullers war ständig krank. Das hinderte sie nicht daran, große Motive zu verhandeln: Lebenslügen und Enttäuschungen, Traurigkeit und Einsamkeit, Rassenhass und dessen Überwindung, die Angst der Jugend und die des Alters, Krankheit und Tod, Liebe und Leidenschaft. 1967 starb sie im Alter von nur 50 Jahren. Im Februar 2017 jährt sich ihr Geburtstag zum 100. Mal. Ihr letzter großer Roman Uhr ohne Zeiger (auf Deutsch erscheint das Werk Carson McCullers beim Diogenes Verlag) be­ginnt mit dem Satz »Der Tod bleibt sich immer gleich, aber jeder Mensch stirbt seinen ei­ge­nen Tod.« Die Literaturkennerin und -kritikerin Manuela Reichart stellt Carson McCullers, unter anderem mit Tonaufnahmen, vor. Heidrun Grote liest aus dem Werk der Autorin.

Warum ich mich darauf freue: Ich studiere Amerikanistik und brenne für gut gemachte amerikanische Literatur. Ein Volk, das von so vielen Unterschieden geprägt ist, das ein so einzigartiges Selbstverständnis hat trotz aller Probleme – was kann ich sagen? Amerikaner finde ich faszinierend. Und wenn dann Literatur einen Blick wirft auf die amerikanische Gesellschaft, auf menschliche Themen und historische Konflikte, dann wandert ein Titel nach dem anderen auf meine Wunschliste. Hier haben wir gleich zwei Jubiläen: Der 100. Geburtstag und der 50. Todestag. Wenn das mal kein Anlass ist, sich diese Autorin genauer anzusehen, dann weiß ich auch nicht …

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Das waren natürlich nur meine Highlights, die zudem in meinen Terminkalender passen. Es lohnt sich, mal selbst einen Blick in das gesamte Programm zu werfen. Beispielsweise gibt es Veranstaltungen mit Nicolas Mahler mit Denis Scheck oder Georg Stefan Troller sowie ein ganzes Comic Festival und natürlich die Poetica in diesem Frühjahr im oder gemeinsam mit dem Literaturhaus Köln!

Du möchtest auch up-to-date sein? Der Newsletter des Literaturhaus Köln fasst nicht nur immer eine Woche im Voraus die Highlights für die nächste Woche kurz zusammen, er ist auch die amüsanteste Mail, die ihren Weg regelmäßig in mein Postfach findet. Es lohnt sich – auch für Menschen, die nicht in Köln wohnen. Denn neben Unterhaltungswert liefert das Literaturhaus Köln so natürlich auch bedeutungsvolle Lesetipps für die Saison, die man notfalls auch im heimischen Wohnzimmer genießen kann. Wobei das historische Gebäude und die interessanten Gespräche natürlich immer einen Besuch wert sind! Also, jetzt schnell hier für den Newsletter anmelden.

Auf welche buchigen Events freut ihr euch dieses Frühjahr?

3 Kommentare

  1. Hallo Kerstin,
    Schön, dass das Literaturhaus noch mehr Fans hat. Bei manchen Veranstaltungen dort ist mir einfach zuwenig los. Leider habe ich nicht die Zeit zu allen Veranstaltungen zu gehen. Doch bei Carson McCullers Abend möchte ich dabei sein und den Debütantensalon fand ich beim letzten Mal klasse. Vielleicht treffen wir uns ja mal dort?
    Grüße
    Silvia

    1. Ich werde bei beiden Veranstaltungen da sein 🙂

  2. […] auch für diesen Neuzugang ist das Literaturhaus Köln Schuld. Denn erst durch ihr Frühjahrsprogramm bin ich auf diesen Roman aufmerksam geworden: Geschrieben in Episoden, kann man ihn in beliebiger […]

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