„Land in Sicht“ im Café Fleur

Gestern fand die Auftaktveranstaltung der neuen Kölner Lesereihe „Land in Sicht“ im Café Fleur (Nähe Rudolfplatz) statt. Losgehen sollte es um acht, also war ich zwanzig Minuten vorher vor Ort, um noch ein bisschen mit den Veranstaltern reden zu können und mir in Ruhe einen Platz zu suchen. Meine Annahme, dass die facebook-Ankündigung „Es wird voll, kommt früh!“ etwas übertrieben sein würde, erwies sich allerdings als falsch: Man kam gerade noch zur Tür rein, das Café Fleur war bis auf den letzten Stuhl besetzt, einige standen schon an der Theke. Mit einigen anderen zusammen fand ich noch ein Plätzchen auf der Fensterbank.

Volles Haus im Café Fleur
Volles Haus im Café Fleur.

In gemütlicher Atmosphäre warteten wir auf den Start. Trotz Platzmangel kam ein angenehmes Miteinander mit angeregten Gesprächen zustande – viele kannten sich, andere lernten sich kennen. Das Publikum war eine bunte Mischung aus Zwanzigern und Dreißigern, aus Studenten, Kulturschaffenden und natürlich Literaturgenießern.
Mit einem akademischen Viertelstündchen Verspätung ging es los in einen abwechslungsreichen Abend, durch den Lara Schmitz und Kevin Kader erst noch etwas aufgeregt, dann aber immer souveräner, führten.

Da der Auftaktabend den Kölnern gewidmet war, hatten alle vortragenden Gäste einen klaren Bezug zu Köln: Als erster stand Patrik Peyn auf der Bühne, der seit 2013 an der Kölner Kunsthochschule für Medien studiert. Trotz kleinerer technischer Probleme ließ er sich nicht aus dem Konzept bringen und trug flüssig seinen Text vor.

Nach einer kurzen Runde Applaus – schließlich musste sich das Publikum zum Beginn des Abends erst einmal einklatschen – ging es mit der nächsten Darbietung weiter: Ganz anders, aber mindestens ebenso spannend waren die Sprechduette, welche die in Köln lebende Autorin Julia Trompeter zusammen mit Xaver Römer auf die Bühne brachte. Sprechgesang im Duett, mal Dia, mal Mono, aber auf jeden Fall immer wieder aufs Neue überraschend und alles andere als langweilig.

Julia Trompeter liest aus "Die Mittlerin".
Julia Trompeter liest aus „Die Mittlerin“.

Die anschließende kurze Pause bot allen die Gelegenheit, sich die Füße zu vertreten, vor der Tür ein bisschen frische Luft zu schnappen und sich mit neuen Getränken zu versorgen. In der zweiten Hälfte wurde schnell deutlich, dass das Publikum eine gute Zeit mit „Land in Sicht“ verbrachte und sich im ersten Teil erst aufgewärmt hatte.
Sowohl der zweite Auftritt von Julia Trompeter, die aus ihrem Roman „Die Mittlerin“ vortrug, als auch die lyrische Darbietung von der in Köln aufgewachsenen Lydia Daher wurden mit viel Elan beklatscht. Die beiden überzeugten nicht nur durch ihre Textarbeit in Prosa beziehungsweise Poesie und Bildcollagen, sondern auch vor allem durch ihre gekonnte und sympathische Vortragsart.

Als der inhaltliche Teil des Abends gegen Viertel nach zehn vorbei war, leerte sich das Café Fleur nur langsam wieder. Schließlich gab es noch die Möglichkeit, mit den Vortragenden zu sprechen und auch das eine oder andere signierte Werk zu erstehen. Zufriedene Gesichter gab es sowohl bei den geladenen Gästen, als auch beim Publikum und den Veranstaltern. Ein wirklich schöner Auftaktabend für eine neue Kölner Lesereihe für junge Literatur!

 

Auch draußen wurde angeregt diskutiert.
Auch draußen wurde angeregt diskutiert.

Ins Leben gerufen wurde „Land in Sicht“ von dem Autor und Texter André Patten, als er einen Artikel für das Kölner Kulturen Magazin null22eins schrieb und feststellte, dass ein solcher Treffpunkt für junge Autoren in Köln noch fehlte. Alles Weitere entwickelte sich fast wie von selbst: Er fand schnell Mitstreiter, die sich ebenso für die Idee begeisterten, um diese Lücke zu schließen. Es folgten das Café Fleur als Ort, das „Land in Sicht“-Design und schließlich auch noch eine Kulturförderung der Stadt Köln, um Reisekosten und kleine Gagen für die literarischen Gäste zu decken. Die eigentliche Arbeit im Hintergrund bestreitet das Team ehrenamtlich.
„Land in Sicht“ möchte jungen Schreibenden eine Plattform bieten, sie sich untereinander vernetzen lassen, aber auch dem interessierten Kölner Publikum vorstellen. Die Autoren bekommen erste Bühnenerfahrung und gleichzeitig wird für die Literaturliebhaber der Zugang zu aktueller, junger Literatur aller Gattungen erleichtert. Auch wenn das Team von „Land in Sicht“ die literarischen Gäste auswählt, so gibt es doch keine festen Kriterien für die Einsendungen: Alle, die Interesse haben, selbst auf der Bühne zu stehen, können sich bewerben.

Der nächste Termin ist am 11.12.2014, wieder um acht im Café Fleur. Dann werden Malte Abraham, Sabine Scharbert, Stefan Etgeton und Sven Schaub zu Gast sein.
Ab 2015 sollen die Leseabende monatlich stattfinden – Ort und Zeit bleiben, ein Donnerstag soll es auch immer sein. Und der Eintritt liegt bei bezahlbaren 2 Euro.

Weitere Infos gibt es unter: www.landinsicht.koeln

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