Giftige Grüße aus der Küche: Der Genusskrimi „Amuse-Gueule“ von Christina Bacher

Amuse-Gueule – kleine Appetithappen, die vor der eigentlichen Mahlzeit gereicht werden – spielen in dem gleichnamigen Genusskrimi eine große Rolle: Immerhin stehen als Hauptschauplätze direkt mehrere Restaurants und Köche im Mittelpunkt der Handlung. Und nebenbei heißt das kulinarische Etablissement, das zum Tatort wird, auch Amuse Gueule und serviert eben solche als Spezialitäten des Hauses… in diesem Fall mit tödlichem Ergebnis.

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Eigentlich wollte Karla Mannsweiler, die in Köln zusammen mit ihrer Freundin Sarina das EAT LOCAL betreibt, noch in Ruhe das nächste Catering-Event vorbereiten und sich dann auf den Weg zu ihrem Blind-Date machen. Durch einen Unfall ihrer Mutter, Amalie Mannsweiler, wird sie aber kurzfristig in ihre pfälzische Heimat bei Kaiserslautern zurückbeordert: Am Unterhammer im Pfälzer Wald gilt es die Küche des Amuse Gueule zu übernehmen, solange ihre Mutter im Krankenhaus ist.
Damit hören die Schwierigkeiten aber noch lange nicht auf, sie fangen gerade erst an: Karla trifft ihre Kindheitsliebe Lars Becht, den Sohn des nachbarlichen Konkurrenz-Restaurants Forellenhof wieder, der inzwischen eine kleine Tochter hat und geschieden ist – und entwickelt neue Gefühle für ihn. Dann erfährt sie, dass sie einen Stalker hat, der sich auch noch an ihre Freundin Sarina herangemacht hat. Da diese Zutaten aber noch nicht unbedingt einen Krimi machen, kommen nacheinander drei Leichen hinzu, für deren Tod Karla verantwortlich zeichnet – zumindest in den Augen der Öffentlichkeit und der Ermittler. Fast beiläufig offenbart sich auch noch eine Verschwörung, die sich vor über 40 Jahren auf der Insel Juist zugetragen hat und in einem zweifelhaften Todesfall endete. Obwohl diese Ereignisse auf den ersten Blick weder etwas mit dem Pfälzer Wald noch mit den dortigen Köchen und Restaurants zu tun haben scheinen, so wird nach und nach aufgedeckt, dass es durchaus eine Verbindung gibt: Sowohl Amalie Mannsweiler als auch Anton Becht, der Betreiber des Forellenhofs, sind darin verwickelt und die giftigen Spuren dieser Geschehnisse reichen bis in die Gegenwart hinein…

 

Die Autorin Christina Bacher, die selbst in Kaiserslautern aufgewachsen ist und inzwischen in Köln lebt, verwebt in dieser Geschichte drei Orte, die sie selbst kennt – auf Juist hat sie einige Zeit im Rahmen eines Schreibstipendiums verbracht. Diese Nähe zu den Schauplätzen zeigt sich auch im Buch: Es sind die kleinen Details, die das Gefühl erwecken, dass sich die Charaktere wirklich an den Orten auskennen, an denen sie sich aufhalten. Eben diese Kleinigkeiten sind es auch, die die Figuren zum Leben erwecken und beim Lesen mitfühlen lassen. So richtig egal ist am Ende das Schicksal von keiner der Hauptfiguren und das der wichtigeren Nebenfiguren eigentlich auch nicht. Wie bei den namensgebenden Amuse-Gueules sind es die kleinen Dinge, die wichtig sind und denen im Rahmen der Handlung Bedeutung zukommt. Erst nach und nach setzt sich aus den einzelnen Puzzleteilen das Gesamtwerk zusammen – oder um in der Metapher des im Mittelpunkt stehenden Kochvorgangs zu bleiben: Nur mit den richtigen Zutaten lässt sich ein leckeres Essen bereiten.
Die richtigen Zutaten hat der Genusskrimi „Amuse-Gueule“, der als zusätzlichen Leckerbissen auch einige der im Buch relevanten Gerichte als Rezepte zum Nachkochen enthält, auf jeden Fall. Die geschickte Konstellation der Charaktere und deren Verflechtung, die sich erst nach und nach enthüllt, sorgt dafür ebenso wie die Verschachtelung der Handlung in verschiedene Perspektiven, inklusive der des schlussendlichen Mörders. Es stellt sich allerdings zwischendurch auch die Frage, ob es nicht vielleicht zu viele Elemente sind, die in „Amuse-Gueule“ auf weniger als 100 Seiten untergebracht sind: Das mag durchaus mein persönliches Empfinden sein, aber ich hätte mir entweder einige Seiten mehr gewünscht, um allen Figuren und Handlungssträngen gerecht zu werden, oder ein Ausdünnen auf das Wesentliche bei der vorhandenen Seitenzahl. So fühlt es sich an, als wäre nicht alles, das angefangen wird, auch wirklich zu Ende erzählt – und das ist sehr schade. Auch gibt es einige Stellen, bei denen auf ein paar mehr Seiten eine weitaus ausgeklügeltere Lösung möglich gewesen wäre; anstelle der vorhandenen, die leider etwas unrealistisch einfach und dadurch unglaubhaft ausfällt. Das Potential dazu liegt eindeutig vor – in dem reichen Schatz der vorhandenen Einzelelemente.

 

Titel: Amuse-Gueule
Autorin: Christina Bacher
Herausgeber: KSB-Media
Erschienen: Herbst 2014
Umfang: 100 Seiten
Preis: 10,50 €
ISBN: 978-3-945195-27-7

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1 Kommentar

  1. […] [Edit (14.01.2015): Die Rezension ist online!] […]

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