Einmal Buchmesse und zurück – ein erlebnisreicher Tagesausflug

Der Besuch der diesjährigen Frankfurter Buchmesse liegt heute schon zwei Wochen zurück, ist aber noch sehr deutlich in meiner Erinnerung verhaftet…
Das mag sowohl an der doch eher frühen Uhrzeit liegen, zu der wir uns auf den Weg von Köln nach Frankfurt gemacht haben (ich habe um halb sechs das Haus verlassen), als auch an den vielen gesammelten Eindrücken. Bei mir waren viele davon nicht ganz so geplant, aber das passiert eben ab und zu mit neuen Situationen: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!

Da war zum Beispiel mein Vorhaben, mich informieren zu wollen. Prinzipiell war ich damit natürlich am richtigen Ort, vor allem da ich Informationen über aktuelle Kinder- und Jugendbücher sammeln wollte. Mein Wunsch war meiner Umgebung quasi Befehl: Schön aufgereiht lagen an allen Verlagsständen (und davon gibt es auf einer Buchmesse bekanntlich recht viele) die aktuellen Kataloge, die ich munter einsammelte.
In den ersten Minuten sehr enthusiastisch, nach der ersten halben Stunde schon etwas weniger und nach einer Dreiviertelstunde waren wir (besonders ich, natürlich) auf der verzweifelten Suche nach einer besseren Transportmöglichkeit für die Kataloge als meine Arme. Die hingen nämlich schon gefühlt bis fast auf den Boden. Allerdings eigentlich kein Wunder, wenn man beachtet, dass ich an fast jedem Stand mindestens einen eingesammelt hatte – wahrscheinlich schleppte ich zu dem Zeitpunkt rund 5 Kilo mit mir herum. Es fühlte sich aber so an, als wäre es mindestens das Doppelte gewesen. Selbst schuld, aber aufhören wollte ich trotzdem nicht. Schließlich hatte ich doch gerade erst angefangen…

Die Rettung nahte in Gestalt von äußerst reißfesten gelb-blauen Taschen, von denen mir die mitleidige Dame am Stand direkt mehrere in die Hand drückte. Zum einen um das Gewicht etwas zu verteilen, zum anderen falls ich doch noch mehr Kataloge sammeln sollte. Der Messe-Tag war immerhin gerade erst rund eine Stunde alt. Etwas erleichtert und ein kleines bisschen schlauer zogen wir weiter – dass ich die ganzen Informationen eigentlich auch digital übers Internet erlangen konnte, war mir schon klar, aber die Kataloge waren einfach etwas anderes.
Ich bemühte mich dennoch, nicht mehr allzu viele zu meiner bestehenden Sammlung hinzuzufügen. Zum Glück gab es an den meisten Ständen auch Flyer. Trotzdem war es recht praktisch, dass die Garderobe und Gepäckaufbewahrung sich auch nicht scheute, meine kataloggefüllten Taschen für Geld gegen ein Ticket zu tauschen, das sich eindeutig leichter über die Messe tragen ließ.

Mit den Taschen tragen sich die ganzen Kataloge eindeutig leichter.
Mit den Taschen erscheinen die ganzen Kataloge direkt viel leichter.

Der Rest des Tages konnte also kommen! Auf dem Programm standen bei mir eine „Hot Spots Tour to the Future of Publishing“ (bei der die Kataloge wirklich sehr hinderlich gewesen wären) und danach zwei Diskussionsrunden. Dazwischen und danach wollte ich weiter die Messe erkunden. Schließlich war ich bisher nur durch den unteren Bereich von Halle 3 gekommen – und das noch nicht einmal vollständig.
„Wollte“ ist allerdings das nächste Stichwort des Tages: Nachdem ich mich ein paar Minuten selbständig im Erdgeschoss von Halle 4 orientiert hatte, ging ich zum Treffpunkt der Führung, die auch bald danach begann. Zum Teil mit neuen, zum Teil mit alten Informationen berieselt bewegte sich unsere Gruppe durch die Halle, erst im Erdgeschoss, dann im 1. Stock. Interessant war es auf jeden Fall, ein paar Flyer und Visitenkarten sammelte ich auch – Kataloge gab es hier glücklicherweise weniger.
Wie es dann weitergegangen ist, weiß ich allerdings gar nicht. Bevor der Rundgang beendet war (und wir unsere abschließende „Hot Spot Tour“-Suppe genießen konnten), hatte mein Körper anscheinend schon keine Lust mehr: Ziemliche Schmerzen im Bauchraum, daraus resultierende Kreislaufprobleme und ähnliche Nettigkeiten brachten mich auf den Gedanken, nach einem Arzt zu suchen. Wo findet man aber auf einem so riesigen Messegelände wie in Frankfurt einen Arzt? Oder Sanitäter? Oder oder oder? Alle Leute, die mir offiziell Schmerzmittel hätten verabreichen dürfen, wären mir in dem Moment recht gewesen.

Leider war ich mit meiner Orientierungslosigkeit in der Hinsicht aber nicht alleine: Weder die Veranstalter der Führung noch das Personal der nahegelegenen Stände wussten wirklich ganz genau, wohin ich mich wenden musste. Mit vielen Fragen und Hilfsbereitschaft fand ich zusammen mit einer netten Dame aus dem Bereich „Schule der Zukunft“ aber schließlich das OSC. Das OSC, das Operation and Security Center, ist nämlich der Ort auf dem Frankfurter Messegelände, an dem sich auch die Sanitätsstation befindet. An ihrem aktuellen Standort ist sie aber erst seit September dieses Jahres, deshalb war sich auch vorher niemand so sicher, wo genau sie sein müsste.
Wenn man es weiß, ist das OSC aber leicht zu finden: Direkt um die Ecke von Halle 4, man muss nur in die richtige Richtung laufen und sich nicht davon irritieren lassen, dass es nicht wirklich ausgeschildert ist. Drinnen konnte mir endlich geholfen werden. Von dem netten Personal bekam ich direkt das „VIP-Paket“: Zwei Runden Infusion mit Schmerzmitteln und Aufenthalt in meinem eigenen Ruheraum.
Andere Besucher schauten sich das OSC nur im Rahmen einer Führung an, die anscheinend regelmäßig durch die ganzen neuen Räumlichkeiten veranstaltet wurde. Immerhin gibt es nicht nur die Sanitätsstation (mit den Räumen der Betriebsärztin) auf den neugebauten 2.200 Quadratmetern, sondern auch die Polizei- und Feuerwache, den Sicherheitsdienst, den betriebliche Brandschutz und die integrierte Leitstelle der Messe Frankfurt.

Blick in das OSC - Operatio & Security Center
Blick in das OSC – Operation & Security Center

Ich habe mir nur die Sanitätsstation „angeschaut“, dafür aber gründlich – erst nach rund zweieinhalb Stunden hat es mich doch wieder nach draußen gezogen. Mit ärztlicher Erlaubnis stürzte ich mich wieder in das Messegewimmel, wobei es eher ein vorsichtiges, langsames Herantasten war. Ziemlich groggy war ich eindeutig noch, Schmerzmittel haben eben doch eine leicht benebelnde Wirkung.
Die Führung war bis dahin natürlich im wahrsten Sinne gelaufen, die Diskussionsrunden zum Teil auch. Außerdem wollte ich doch noch etwas vom Rest der Buchmesse sehen. Den Rest von Halle 3.0 habe ich noch geschafft, Halle 3.1 auch. Mehr war kräftemäßig einfach nicht drin. Dafür habe ich mir die beiden aber ganz genau angesehen und auch noch den einen oder anderen Katalog eingesammelt – nun aber mit etwas mehr Bedacht. Außerdem habe ich mit mehr Ruhe und Muße auch einfach hier und da in Büchern geblättert und um Bücher geht es bei einer Buchmesse schließlich, wenn man einmal alles andere außer Acht lässt.

Zum Abschluss war auch noch ein bisschen Netzwerken drin, ein paar bekannte Gesichter hier und dort, ein paar Magazine und auch Lesematerial in Buchform. Und in Halle 8 haben wir uns doch noch umgeschaut – zumindest einen Blick mussten wir schon auf Finnland werfen. Müde und vollbepackt (nachdem wir zunächst auf der falschen Seite der Halle waren, konnte ich auch meine geparkten Taschen an der Garderobe wieder einsammeln und hatte somit drei mehr oder weniger volle gelb-blaue Taschen) machten wir uns schließlich auf den Rückweg.
Auch wenn uns das Parkhaus erst nicht entfliehen lassen wollte, rollten wir doch wenige Zeit später gen Heimat – mit einem kleinen „kulinarischen“ Zwischenstopp bei einem gelben „M“ in Autobahnnähe. Zuhause angelangt bin ich wieder gegen halb elf, es kann aber auch elf gewesen sein, ein langer Tag war es so oder so. Und gelohnt hat es sich auch! Trotz meiner ungeplanten Planänderung mit dem Aufenthalt in der Sanitätsstation. Obwohl ich nicht alles gesehen habe, was ich mir anschauen wollte. Informativ war es, aufregend zeitweise auch, abwechslungsreich sowieso… vor allem aber lehrreich. Der nächste Besuch kommt ganz bestimmt – aber ganz eindeutig anders!

Findet sie die Kataloge toll oder geht es ihr doch nur um die gemütliche Unterlage?
Findet sie die Kataloge toll oder geht es ihr doch nur um die gemütliche Unterlage?

Und nein, natürlich habe ich es noch nicht geschafft, mich durch alle meine Kataloge zu arbeiten… der Katze gefallen aber immerhin die Taschen ganz gut als Schlafunterlage. Das ist doch auch schon etwas wert!

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