Eindeutig für Erwachsene geeignet: Andreas Steinhöfels „Beschützer der Diebe“

Auf den ersten Blick liegt es nahe, bei Andreas Steinhöfels „Beschützer der Diebe“ eine deutsche Version von Charles Dickens‘ „Oliver Twist“ zu erwarten: Sowohl der Titel als auch das Cover lassen eine Geschichte vermuten, bei der die jungen Protagonisten als Diebe unterwegs sind. Der Klappentext verrät aber schnell, dass es eigentlich ganz anders ist:

KEM 5018, darunter eine unregelmäßige Zickzack-Linie. Das ist alles, was Guddie, Olaf und Dags in den Händen haben, um eine zufällig beobachtete Entführung aufzuklären – die ihnen nur leider niemand glaubt. Unbeirrt machen sich die drei daran, den Fall zu lösen. Eine atemlose Jagd durch Berlin bringt sie nicht nur in abenteuerliche Situationen, sondern schließlich auch auf die heiße Spur eines gerade zu sensationellen Verbrechens.

Gudrun, kurz Guddie, und Dagmar, Dags abgekürzt, sind Kusinen. Das heißt aber nicht, dass sie sich besonders gut kennen oder besonders gut miteinander auskommen. Eher gezwungenermaßen verbringen sie in den Sommerferien Zeit zusammen. Olaf lernen die beiden durch einen unglücklichen Zufall kennen, bei dem er vor einem Kaufhausdetektiv flüchtet und dabei Guddie umrennt. Zur Wiedergutmachung spendiert er ein Eis und schlägt den beiden anstelle des eigentlich geplanten Zoobesuchs, auf den weder Dags noch Guddie wirklich Lust haben, ein Spiel vor: Jeder sucht sich eine Person aus der Menge und verfolgt sie für die nächsten zwei Stunden.

Dabei macht Guddie die Beobachtungen, auf die schon der Klappentext anspielt und welche die Grundlage für die Handlung des Buches bilden: Auch wenn sie keinerlei Vorerfahrungen mit Ermittlungen haben, machen sich die drei daran, ein Verbrechen aufzuklären, von dem die Polizei nichts wissen will. Im Verlauf stellt sich heraus, dass es sich nicht „nur“ um eine Entführung handelt, sondern auch ein Museumsraub darin verwickelt ist: Aus dem Berliner Pergamon-Museum soll das Tor von Milet gestohlen werden und das auch noch so, dass es niemand merkt – mithilfe einer Replik.
Auf der Suche nach dem Entführten, um ihn zu befreien und nach den Entführern und Kunsträubern, um den Raub zu verhindern, sind Guddie, Dags und Olaf in ganz Berlin unterwegs. Im Verlauf ihrer Verfolgungsjagd machen sie weder vor fremden Hotelzimmern und Wohnungen noch vor unterirdischen Gängen Halt. Allerdings lernen sie indes nicht nur viel über die Gründe, die Menschen zu Untaten verleiten, sondern sammeln auch positive, neue Erkenntnisse – über sich selbst und die beiden jeweils anderen genauso wie über unverhoffte Unterstützer, die sie auf dem Weg kennenlernen.

Beschützer der Diebe

Andreas Steinhöfels „Beschützer der Diebe“ ist ein Kinder-/Jugend-Krimi, der auch Erwachsene (ich fürchte, dazu zähle ich so langsam doch) in seinen Bann ziehen kann. Die Spannung entsteht allerdings weniger durch die Frage, wie die Geschichte ausgeht, sondern auf welchem Weg das Ende erreicht wird. Denn auch für mich gab es einige Situationen, bei denen ich zwar sicher war, dass die Protagonisten sie erfolgreich überstehen, aber keine Ahnung hatte, wie sie das anstellen würden. Durch die glaubhaften Hauptfiguren, die wie im richtigen Leben nicht nur „gut“ sind, sondern auch einige Schwächen besitzen und den in weiten Teilen plausiblen Handlungsverlauf hat diese Geschichte erreicht, was viele andere nicht schaffen: Immer wenn ich sie doch beiseite legen musste, hätte ich viel lieber weiter gelesen. Dazu braucht es keinen stilistischen Pomp, oder eine besonders kunstvolle Sprache, oder oder oder … was es braucht, ist Inhalt, der gut transportiert wird – und das ist bei „Beschützer der Diebe“ allemal gegeben.

PS: Natürlich gibt es auch Elemente, die mir nicht gefallen haben… diese geraten bei meinem positiven Gesamteindruck aber schnell in Vergessenheit. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass es ziemlich schwierig (oder vielleicht sogar unmöglich) ist, ein Buch zu erschaffen, das mir von vorne bis hinten ohne „wenn und aber“ zusagt und an dem ich rein gar nichts auszusetzen habe. Sollte jemand dies als Herausforderung sehen, bin ich selbstverständlich gerne bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen 😉

 

Titel: Beschützer der Diebe
Autor: Andreas Steinhöfel
Herausgeber: dtv junior
Erschienen: August 2002 (7. Auflage)
Umfang: 236 Seiten
Preis: 6,00€
ISBN:3-423-70411-X
Bei seinem ursprünglichen Verlag dtv junior ist das Buch „Beschützer der Diebe“ leider nicht mehr verzeichnet. Eine andere/neuere Auflage gibt es aber bei Carlsen.

1 Kommentar

  1. […] [Edit (8.12.2014): Meine Meinung ist online.] […]

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