Ein gelungenes Debüt: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson

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„Allan Karlsson wird hundert Jahre alt. Eigentlich ein Grund zu feiern. Doch er steigt aus dem Fenster (im Erdgeschoss) und verschwindet (zum Bahnhof) – und schon bald steht das ganze Land wegen seiner Flucht auf dem Kopf.“
Der Klappentext des Debütromans von Jonas Jonasson lässt eine relativ simpel gehaltene Storyline erwarten. Wer allerdings einmal in die Welt des alten Allan eintaucht, merkt schnell, dass die Handlung  mehr in sich birgt als die langweilige Geschichte eines Greises. Stattdessen bekommt man eine klare Vorstellung eines Mannes, der 100 wirklich turbulente Jahre auf dem Buckel hat.  Er diente dem republikanischen Militär, reiste nach China um Brücken zu sprengen, wurde im Iran inhaftiert. Er flüchtet letztendlich aus dem Altersheim, beklaut einen Drogendealer um mehrere Millionen schwedischer Kronen und wird landesweit gesucht. Und das ist nur ein kurzer Abriss seines nie langweiligen Lebens. Alle zufälligen Entscheidungen, die Allan so trifft, macht die Geschichte des Protagonisten erst interessant und lesenswert.

Jonas Jonasson schafft es, dem Leser eine gelungene Verschmelzung zwischen einer Parodie und der realistischen Wiedergabe einer absurden Abenteuerreise zu bieten. Dabei bieten sowohl Allans Vorgeschichte – von seiner Kindheit bis zu dem Zeitpunkt, an dem er ins Altersheim kommt – als auch dessen aktuellen Erlebnisse immer wieder Passagen zum Lachen und Mitfühlen.

Die Verknüpfung zwischen Allans Vergangenheit und Gegenwart ist dabei so fließend, dass man problemlos in zwei vollkommen unterschiedliche Welten eintauchen kann. Beide Handlungsstränge um den Protagonisten Allan strotzen vor schwarzem Humor, dessen man eventuell auf Dauer etwas überdrüssig werden könnte. Aber Jonasson weiß das Problem einfach zu lösen, indem alle Nebenfiguren ebenfalls ihr eigenes Päckchen zu tragen haben und mindestens genauso unterhaltsam und dramatisch sind. Somit ist auf jeden Fall für genug Abwechslung gesorgt und trotz manchmal etwas zäher Kapitel lohnt sich das Weiterlesen, da die Belohnung durch Witz und liebevoller Charakterdarstellungen nicht lange auf sich warten lässt.

Alles in allem ist „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ aber deutlich mehr als nur die absurde und zum Teil bizarre Geschichte eines alten Mannes. Das Buch ist liebevoll, authentisch und man kann durchaus die ein oder andere Lebensweisheit mitnehmen und sich fragen, ob man das Leben und alle eventuellen Unbequemlichkeiten nicht mit einem einfachen Schmunzeln hinnehmen sollte.

Jonas Jonasson wurde 1961 in Växjö, Schweden, geboren und arbeitete nach seinem Studium als Journalist in Göteborg. Mit seinem Debüt „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ landete der Schwede gleich einen Hit, der im Frühjahr 2014 auch auf deutschen Leinwänden erschienen ist. Das Buch war Anfang 2012 an der Spitze der Spiegel-Bestsellerliste. Auch sein zweiter Roman „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ (carl’s books) war ein direkter Erfolg und landete auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste.

Titel: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Autor: Jonas Jonasson
Herausgeber: carl’s books
Erschienen am: 29.08.2011
Umfang: 416 Seiten
Preis: 14,99 € (Paperback)
ISBN:  978-3-570-58501-6

4 Kommentare

  1. […] „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ scheint auf den ersten Blick ein komplett anderes Buch als Jonassons Debütroman zu sein, ist letztendlich aber nach dem gleichen Muster wie „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ gestrickt. […]

  2. […] einigen dieser Bücher gibt es hier auf dem Blog sogar schon Rezensionen von Kerstin und Andrea. Wie meine Meinung aussieht, erfahrt ihr […]

  3. […] sich wundert, dass es so wenig zum eigentlichen Inhalt gibt, ist eingeladen gerne zusätzlich Andreas Rezension […]

  4. Mich hat die besondere Art von Humor von Jonasson leider nicht packen können. Ich habe die Hörbuchversion nicht besonders genossen, weil es mein Humorzentrum überhaupt nicht getroffen hat. Schade.

    LG Gabi

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