Der Täter offenbart sich zum Schluss: Petra Schwarz mit „Sommerpest“

Ein Traum: der erste Urlaub ohne Eltern. Paulina und ihre Freundinnen Leonora und Silvie wünschen sich nichts mehr als Sonne, Meer und süße Jungs. Und von allem gibt es reichlich. Paulina weiß gar nicht, ob ihr Hannes oder sein knuddeliger Hund Muffin besser gefällt. Leo hat es ebenfalls schwer erwischt. Am Abend des Hafenfestes ist sie einfach nicht dazu zu bringen, mit zurück auf den Zeltplatz zu kommen. Auch am nächsten Tag taucht sie nicht wieder auf. Typisch Leo findet Silvie, aber Paulina macht sich schreckliche Sorgen. Und dann wird Leos Handy in einem Mülleimer gefunden…“

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Der Jugendthriller von Petra Schwarz hält was der Klappentext verspricht. Die Grundidee, drei verschiedene Freundinnen allein Ferien machen zu lassen, klingt zwar vorerst relativ simpel, ist aber in ihrer Umsetzung dafür umso origineller gelungen. Denn aus dem einst gemeinsam geplanten Urlaub wird schnell eine Tour, bei der alle drei ihren Urlaub individuell gestalten. Paulina, die eigentlich als Vermittlerin zwischen den beiden Streithähnen Silvie und Leo fungiert, lernt bereits am ersten Tag den unglaublich charmanten Jungen Hannes und dessen Hund Muffin kennen – und verknallt sich prompt in beide. Leo, die hübsche Draufgängerin unter den Dreien, trifft schon im Zug den Schwarzfahrer Calvin, mit dem sie sich auch direkt für das folgende Hafenfest verabredet, ohne ihn wirklich näher zu kennen. Silvie hingegen wird der ganze Trubel schnell zu viel und ihr fehlt beim Campen eindeutig der Komfort. Nach einem weiteren Streit mit Leo macht Silvie Nägel mit Köpfen und quartiert sich bei ihrer Tante ein, die ganz in der Nähe wohnt. Schnell ist also jeder aus dem eigentlichen Dreiergespann auf sich selbst gestellt. Und dann ist da auch noch Lars, der aufdringliche und engagierte Journalist, der alles Erdenkliche für eine gute Story tun würde, um endlich erfolgreich in seinem Job zu werden und von langweiligen Klatschnachrichten weg zu kommen. Dass in einem nahen Hochsicherheitslabor für ansteckende Krankheiten dann auch noch ein Haufen Ratten geklaut werden, bietet einen weiteren Spannungsbogen.

Insgesamt bietet Petra Schwarz dem Leser viel Spielraum für eigene Interpretationen und Vermutungen, wer letztendlich hinter dem Verschwinden von Leonora steckt. Ist es Calvin, der schon von Anfang an zerstreut und suspekt rüber kommt? Oder doch Lars, dem man so einiges zutrauen könnte, um beruflich vorwärts zu kommen? Denn über den Täter erfährt der Leser nur etwas über eingeschobene Zwischenkapitel, in denen er hauptsächlich über verstörende Gedichte charakterisiert wird. Hier wechselt die Perspektive – von der Sicht der Dinge aus Paulinas Blickwinkel zur Sicht des scheinbar unberechenbaren und zum Teil verrückten Bösewichts.

„Brütend liegt der Tod auf dumpfen Lüften
Häuft sich Schätze in gestopften Grüften –
Pestilenz sein Jubelfest
Leichenschweigen – Kirchhofstille
Wechsel mit dem Lustgebrülle,
schrecklich preiset Gott die Pest“

Vor allem durch solche und ähnliche Gedichte des Täters wird das Motiv der „Pest“ für den Leser klarer. Allerdings bleibt man trotzdem relativ ahnungslos, wer für das Verschwinden Leonoras verantwortlich sein könnte. Dieses Rätsel wird schließlich auch erst auf den letzten 30 Seiten gelüftet, sodass die Spannung bis zum Schluss aufrecht gehalten wird und den Leser förmlich dazu zwingt, weiter zu lesen, um seine Neugierde zu stillen und den Fall aufzuklären.

Zusätzlich zu diesen spannenden Momenten bietet „Sommerpest“ aber auch einige romantische Highlights, die die Geschichte wieder etwas auflockern.

„Eine Weile beobachtete ich seine gleichmäßigen Gesichtszüge, die dichten, dunklen Wimpern, die braun gebrannte Haut, die Sehnen, die sich an seinen Armen abzeichneten, seine Locken, die ihm in die Stirn fielen…Mein Freund! Das klang gut und fühlte sich noch besser an. Ich widerstand der Versuchung, über seine Haut zu streichen, über seinen Hals, mich an ihn zu schmiegen und meinen Kopf auf seine Brust zu legen, denn ich wollte ihn nicht wecken.“

Die Beziehung von Paulina und Hannes entwickelt sich zwar schnell, bringt aber auch ein wenig Licht in die sonst eher düstere Atmosphäre.

Alles in allem gelingt es Petra Schwarz in ihrem Jugendthriller, durchweg eine gewisse Spannung aufrecht zu erhalten und den Leser bis zum Schluss im Dunkeln tappen zu lassen. Auch die überraschende Wendung und die Auflösung, wer hinter dem Verschwinden von Leonora steckt, ist gelungen. Die Motive des Täters sind im Gesamtzusammenhang nachvollziehbar und bieten der Geschichte ein insgesamt rundes und zufriedenstellendes Ende. Definitiv ein Thriller, der mit spannenden Wendungen, Überraschungen und Gänsehautmomenten punkten kann und nicht nur Jugendliche begeistert.

„Sommerpest“ ist nach „Schwanengrab“ Petra Schwarz zweiter Jugendthriller.  Ihr drittes Buch ist bereits geplant und man kann sich gespannt auf die Veröffentlichung im Sommer 2015 freuen.

Titel: Sommerpest
Autor:  Petra Schwarz
Herausgeber:  Deutscher Taschenbuch Verlag
Erschienen am: 01.06.2014
Umfang: 315 Seiten
Preis: 8,95 €
ISBN:  978-3-423-71587-4

1 Kommentar

  1. […] für ihr zweites Buch „Sommerpest“ musste Petra Schwarz viel recherchieren. Zum Beispiel über auf liquid Ecstasy.  Sie hat mit der […]

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